Wer eine Verlassenschaft auflösen muss, hat meist andere Sorgen als Teppiche. Zwischen Möbeln, Geschirr, Kleidung und Papieren wirkt ein alter Teppich im Wohnzimmer oder im Keller oft wie eine Nebensache, etwas, das man "auch noch" erledigen muss. Genau das ist der Punkt, an dem in Wien regelmäßig Werte verloren gehen: Ein unscheinbarer, teils fleckiger oder abgetretener Teppich kann ein handgeknüpfter Perser aus den 1960er- oder 1970er-Jahren sein, der auch im gebrauchten Zustand noch mehrere Tausend Euro wert ist. Wir sehen das bei Koppensteiner regelmäßig: Familien, die einen Teppich beinahe entsorgt hätten, weil niemand wusste, wonach man eigentlich schauen muss.

◆ Expertenwissen

Warum Teppiche bei einer Verlassenschaft so oft übersehen werden

Anders als Schmuck oder Silber, deren Materialwert auf den ersten Blick erkennbar ist, sieht man einem Teppich seinen Wert nicht sofort an. Ein handgeknüpfter Orientteppich hat keinen Stempel, kein Echtheitszertifikat, das im Erbfall automatisch mitgeliefert wird. Der Wert steckt in Details, die nur ein geübtes Auge erkennt: der Knüpfdichte, dem verwendeten Material, dem Alter und der Herkunft. Ohne dieses Wissen landen wertvolle Stücke nicht selten beim Sperrmüll, werden verschenkt oder für einen Bruchteil ihres eigentlichen Werts verkauft.

Woran Sie einen möglicherweise wertvollen Teppich erkennen

Sie müssen kein Experte sein, um eine erste Einschätzung zu treffen. Ein paar einfache Anhaltspunkte helfen, bevor Sie überhaupt zu uns kommen:

01

Material

Wolle, Seide oder eine Mischung, fühlen Sie die Rückseite. Feine, dichte Knoten sprechen für Handarbeit.

02

Knüpfdichte

Je feiner und dichter die Knoten auf der Rückseite, desto aufwendiger die Handarbeit und desto höher meist der Wert.

03

Alter

Ältere Stücke aus den 1950er- bis 1980er-Jahren sind oft wertvoller als aktuelle Nachbauten, auch mit sichtbaren Gebrauchsspuren.

04

Zustand

Kleinere Fransenschäden oder ein verblasster Rand mindern den Wert kaum, sie sind Teil der Geschichte des Stücks.

05

Herkunft

Persische, kaukasische oder anatolische Muster deuten auf unterschiedliche Werkstätten und Preisklassen hin.

06

Seltenheit

Ungewöhnliche Muster, Farben oder Formate können ein Stück für Sammler besonders interessant machen.

⚠ Das sollten Sie bei einer Verlassenschaft vermeiden

  • Teppiche vorschnell entsorgen oder spenden, bevor sie überhaupt begutachtet wurden.
  • Selbst reinigen oder waschen vor einer Bewertung, bei antiken Stücken kann das den Wert und die Substanz beschädigen.
  • Pauschalangebote von Haushaltsauflösern für "alles zusammen" annehmen, ohne die Teppiche einzeln bewerten zu lassen.
  • Unter Zeitdruck entscheiden, nur weil ein Räumungstermin ansteht, eine Bewertung dauert meist nur wenige Tage.

Der Ablauf bei Koppensteiner

Rudolf Koppensteiner begutachtet Teppiche aus Verlassenschaften seit über 50 Jahren, oft gemeinsam mit Erben, die selbst keine Ahnung von Teppichen haben und das auch nicht brauchen. Sie bringen den Teppich in die Währingerstraße 67 oder vereinbaren einen Termin vor Ort, wenn mehrere Stücke oder eine ganze Wohnung betroffen sind. Jeder Teppich wird einzeln begutachtet: Material, Knüpfung, Alter, Zustand. Am Ende steht ein ehrliches, unverbindliches Angebot, ohne Verpflichtung, und bei Einigung mit sofortiger Auszahlung. Stücke, die nicht in unser Sortiment passen, benennen wir offen, statt falsche Hoffnungen zu wecken.

Besonders bei größeren Verlassenschaften mit mehreren Teppichen, Möbeln und Antiquitäten arbeiten wir eng mit spezialisierten Partnern zusammen, etwa mit Entrümpelung Danube für die Wohnungsauflösung selbst oder mit Artheum für andere Antiquitäten, Schmuck und Silber. So muss niemand mehrere Anlaufstellen einzeln koordinieren.

Vor der Verlassenschaftsabhandlung oder danach?

Eine Bewertung ist grundsätzlich sowohl vor als auch nach Abschluss der offiziellen Verlassenschaftsabhandlung möglich. Bei größeren, wertvollen Sammlungen kann eine frühzeitige Einschätzung sogar hilfreich für die spätere Aufteilung unter mehreren Erben sein, da sie eine nachvollziehbare Grundlage für Wertverteilungen liefert. Sprechen Sie im Zweifel mit dem zuständigen Gerichtskommissär oder Notar ab, ob eine Bewertung vor der endgültigen Abhandlung sinnvoll ist.